21.102015 21:00
HOLGER SCHEIDT GROUP
modern jazz
Holger Scheidt...Kontrabass // Rich Perry...Saxofon // Bene Jahnel...Piano //
Florian Menzel...Trompete // Anthony Pinciotti...Schlagzeug.
Schon in ganz jungem Alter begann sich der heute in Berlin lebende Bassist und Komponist Holger Scheidt in der internationalen
Szene zu bewegen. Zehn musikalische Wanderjahre künstlerischen Schaffens in Spanien, Frankreich, Deutschland und den
USA haben ihn und sein Werk durch und durch geprägt. So wie bei seinen beiden Veröffentlichungen 2008 und 2011 ('Half a
Year in Half an Hour', Konnex Records; 'Flights Falls', Konnex Records) entstand die Aufnahme zu seinem neuesten Album
„Tides of Life“ (ENJA 2014) in New York, und wieder findet sich eine exquisite, generationenübergreifende Auswahl
von Jazzvirtuosen aus dieser Stadt auf der Scheibe ein. Aus dem Melting Pot gegenseitiger Inspirationen hat er gleichermaßen
befreiend treibende und retardierende Grooves mitgebracht: eine meisterhafte Reifeleistung.
Sein Bass ist dermaßen geerdet, warm, fett und rund, das es einem nur so genüsslich den Rücken herunter läuft ("desperation").
Sein Volumen ist ein richtiges Pfund. Holger Scheidt kann wunderbar über diesem (P)Fundament Stimmungen ausdrücken,
aufbauen und zu einem Mikrokosmos feinster verästelter Strukturen werden lassen ("failure"). Seine aktuelle CD ist wie ein Fließtext:
ohne große Sprünge, 1 zu 1 geradeaus, ohne Ironie und fragwürdige Spielereien. Harmonie und Melodie ertastend sind seine
Stücke (calm"). Selbst solistische Ausbrüche machen einen kontrollierten Eindruck ("rage"). Holger Scheidt wirkt sehr ganzheitlich
in seiner Herangehensweise an das Material Jazz und das Ergebnis ist 100% Gefühl, Stimmung oder noch besser Mood. Er kreiert
einen äußerst sensiblen Jazz "mit menschlichem Antlitz/Ouevre" ohne Hochleistungsimpetus ("Hope"). Seine Kompositionen sind
Stimmungsbarometer einer musikalischen Seele, die inmitten aller Gefahren, Wirren und Extreme empfindsam nach Ausgleich und
Mitte sucht ("triumph"). Alles klingt sehr organisch mit einer positiven Wirkung auf den Zuhörer. Der Reiz dieser Musik besteht in
Ihrer Zeitlosigkeit. Die Songs sind schwer zu datieren. Sie verweisen auf Ursprüngliches und entstammen einem produktivem Geist,
der Traditionspflege positiv für sich ausformuliert und den Jazz auf den neuesten Stand aus "alten Quellen" upcycled. Und das ist
das coole und originäre daran.